ClaasTatje

Journalist

Der Aufsteiger aus Indien

VON CLAAS TATJE | © stern, Financial Times Deutschland

Selten ist ein neuer Vorstandschef mit so viel Gegenwind angetreten: Als Vikram Pandit in New York jetzt zum neuen Citigroup-Chef ernannt wurde, war die Enttäuschung bei Investoren groß.

“Es ist der falsche Mann zur falschen Zeit”, lästerte ein Vermögensverwalter. Der Aktienkurs brach um über vier Prozent ein. Auf den gebürtigen Inder wartet der härteste Job an der Wall Street. Den nach Börsenwert zweitgrößten Finanzkonzern der Welt hat es in der Hypothekenkrise besonders schwer getroffen. Die Bank musste Milliarden abschreiben. Seit dem Rücktritt von Charles Prince häuften sich die Forderungen, den Konzern zu zerschlagen. 

Zusage erst nach Absage anderer

Pandit war schon lange als neuer Chef im Gespräch. Doch der 50-Jährige war dem Aufsichtsrat um den Ex-US-Finanzminister Robert Rubin offenbar zunächst nicht gut genug. Zuvor soll der Posten anderen Finanzmanagern angeboten worden sein, die aber absagten. 

Pandit war erst im Juli als Vorstand zur Citigroup geholt worden. Um ihn zu locken, kaufte die Bank seinen Hedge-Fonds Old Lane Partners auf – für geschätzte 800 Millionen Dollar. Damit band die Citigroup einen Manager an sich, der in der Branche als hochintelligenter und erfolgreicher Investmentbanker gilt – auch bei der Citigroup konnte er seinen Einfluss schnell ausbauen. 

Erst Chef des Investmentbankings

Auf dem Höhepunkt der Hypothekenkrise, in deren Folge die Citigroup bis zu 17,5 Milliarden Dollar abschreiben muss, wurde die Investmentbankingsparte mit dem angeschlagenen Geschäft für alternative Anlageformen, darunter Hedge-Fonds und Private Equity, zusammengelegt. Pandit wurde zum Chef dieses riesigen Geschäftszweigs ernannt. Umgehend setzte er zur Sanierung an, ernannte neue Topmanager und bündelte das Aktien- und Anleihengeschäft.

Dennoch sind Beobachter skeptisch, ob Pandit der richtige Mann für die neue Aufgabe ist. Kritiker verweisen auf seine mangelnde Erfahrung an der Spitze eines Geldkonzerns. Auch gilt Pandit nicht als schillernde Wall-Street-Größe, wie es Citigroup-Gründer Sandy Weill etwa gewesen ist. “Diese Position sollte eigentlich mit einer etwas charismatischeren Persönlichkeit besetzt werden”, sagte ein Branchenkenner. 

Langgedienter Morgan-Stanley-Mann

Pandit hatte nach dem Studium an der Columbia University 22 Jahre für Morgan Stanley gearbeitet und führte die Investmentbank in den renditeträchtigen Markt für Hedge-Fonds. Doch weil der als cholerisch verschriene Unternehmenschef Philip Purcell ihn nicht zum Nachfolger ernannte, verließ er die Investmentbank im Zorn. Jetzt muss er bei einem anderen Haus beweisen, dass er das Zeug zum Chef hat.

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