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Airbus-Bürgschaften – Ein teures Versprechen

© agp / PIXELIO

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VON CLAAS TATJE | © ZEIT ONLINE

Nach Frankreich will auch Deutschland mögliche Zahlungsausfälle von Kunden des Flugzeugbauers übernehmen. Analysten fürchten ein Fass ohne Boden.

Noch vor sechs Wochen wäre Peter Hintze für seinen Vorschlag wohl gefeuert worden. Der Koordinator für Luft− und Raumfahrt im Bundeswirtschaftsministerium will die Kunden des Flugzeugbauers Airbus mit Staatsbeihilfen unterstützen. Dabei hatte sein Chef, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, noch vor Weihnachten wiederholt betont, Hilfen für einzelne Branchen werde es nicht geben. Auch nicht für den Flugzeugbauer. Nun hat sich der Minister offenbar umstimmen lassen – und der CDU−Politiker Hintze fand mit seinem Vorschlag Gehör.

Das war ihm spätestens sicher, seit Frankreich ankündigte, in einer Refinanzierungsgesellschaft rund fünf Milliarden Euro für EADS−Kunden zu reservieren. Das Geld ist weder eine direkte Finanzspritze für die Airbus−Mutter noch für deren Kunden. Vielmehr sollen Fluggesellschaften, die Airbusflieger bestellt haben, Finanzierungsklemmen überbrücken, die im Zuge der Wirtschaftskrise entstanden sind. Viele Banken sind äußerst zögerlich mit der Kreditvergabe. Frankreich und Deutschland wollen diese Klemme nun zumindest mittelfristig beseitigen.

Laut Hintze führe man derzeit Verhandlungen mit der KfW und Banken über ein “marktnahes Modell”. Als Instrument sind Hermes−Bürgschaften im Gespräch, die seit Langem für die Exportförderung eingesetzt werden. Das Prinzip: Zahlt der Kunde im Ausland nicht, springt der Staat ein. Angesichts des Listenpreises für einen A380 von über 300 Millionen Dollar könnte das ein teures Versprechen werden. Die Staatsintervention folgt einem logischen Reflex. Schließlich geht „die erfolgreichste Ära der Luftfahrtindustrie seit dem Zweiten Weltkrieg zu Ende“, wie der Luftfahrtanalyst Richard Aboulafia unlängst im Branchenmagazin Aerospace America schrieb. Zuletzt wuchsen die Auslieferungszahlen um fast neun Prozent. Am Ende, so schätzt Aboulafia, kamen auf jede Auslieferung drei Neubestellungen. Auch deshalb rühmt sich etwa Airbus damit, für mehr als fünf Jahre Arbeit zu haben.

Mit dieser Zahl im Hinterkopf konnte sich Wirtschaftsminister Glos bisher gegen jedes Begehren der Flugzeugbauer und seiner Zulieferer wehren. Doch die Zahl wackelt. „Der Puffer kann ganz schnell auf nur noch ein bis zwei Jahre abschmelzen“, sagt ein Analyst aus Süddeutschland, der Airbus seit Jahren beobachtet. Schließlich sind nicht Fluggesellschaften wie Lufthansa die größten Kunden von Airbus und Boeing, sondern Finanzierungsgesellschaften wie ILFC oder Gecas. Im Zuge der Finanzkrise hat die US−Bank Goldman Sachs bei sieben von elf Gesellschaften Probleme ausgemacht, vor allen bei den amerikanischen Leasinggesellschaften. ILFC zählte über 1000 Flugzeuge zu seiner Flotte, bei Gecas sind es gar über 1700 (im Lufthansa−Konzern fliegen rund 500 Flugzeuge).

Lange funktionierte das Geschäftsmodell blendend. Gegen Gebühr liehen sich Airlines, die mit dem Kauf zögerten, beispielsweise von ILFC eine Flotte. Seit die Finanzinstitute jedoch vor einer allzu laxen Kreditvergabe zurückschrecken, trudeln die Verleiher und damit vor allem deren Muttergesellschaften.

Bereits im vergangenen Jahr mehrten sich die Abbestellungen.

Dieser Teufelskreis ist für Analysten allerdings noch lange kein Grund für eine Staatsintervention: “Die Industrie muss allein durch diese Krise kommen”, sagt Winfried Becker von Oppenheim Research. Er fürchtet, dass Staatssekretär Hintze mit seinem Vorpreschen ein Fass ohne Boden füllen will: “Je mehr die Regierung dieser Branche nun unter die Arme greift, desto schwieriger wird es, bei anderen nein zu sagen.”

Auch der Analyst aus Süddeutschland findet wenig Verständnis für das Verhalten der Bundesregierung. “Beim EADS−Börsengang wurde uns versprochen, dass sich der Staat aus dem Unternehmen in Zukunft heraushält. Davon ist wenig zu spüren.” Das französische Angebot sei ein klares politisches Statement gewesen, die Bundesregierung habe deshalb nachgezogen, so seine Einschätzung. Und Hintze konnte für einen Tag aus dem Schatten des Ministers heraustreten.

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