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Journalist

Robert Rubin – Citigroup als letzte Herausforderung

VON CLAAS TATJE | © Financial Times Deutschland

Als neuer Verwaltungsratschef soll der ehemalige US-Finanzminister Robert Rubin die Citigroup aus der Krise führen. Es ist nicht das erste Mal, dass Rubin einen einflussreichen Job bei der größten Bank der Welt annimmt.

Als Robert Rubin das Amt des US-Finanzministers aufgab, feierte er diese Phase seines Berufslebens nicht in irgendeiner kleinen Lokalität. Es musste schon das Metropolitan Museum in New York sein. An diesem Oktobertag im Jahr 1990 wurden Dankesreden gehalten und seiner Arbeit gehuldigt. Eingeladen war auch Sandy Weill. Der damalige Citigroup-Chef überraschte mit einem besonderen Geschenk. Er trug Rubin ein Boardamt bei der Citigroup an.

So unverhofft wie damals ist Rubin auch am vergangenen Wochenende wieder zu einem einflussreichen Job gekommen. Der Arbeitgeber: wieder die Citigroup. Dort ist er nun nicht mehr einfaches Boardmitglied, sondern gleich Verwaltungsratschef. Seine wichtigste Aufgabe wird es sein, möglichst zügig einen Nachfolger für den ausgeschiedenen Vorstandschef Charles Prince zu finden und das herrschende Führungschaos zu beseitigen. Das Potenzial hat der 69-Jährige: Wohl kaum ein zweites Mitglied des Verwaltungsrats ist so gut vernetzt wie Rubin.

Gegner der “Reaganomics”

Die ersten Kontakte knüpfte er an der Harvard-Uni und bei seinem Einstieg in eine New Yorker Anwaltskanzlei. Bei der Kanzlei blieb er nur zwei Jahre, er wechselte dann zu Goldman Sachs. Dort brachte er es bis zum Partner und schließlich zum Co-Vorsitzenden. Während all dieser Jahre hat er nie einen Hehl daraus gemacht, dass er ganz und gar nicht einverstanden war mit den “Reaganomics” des damaligen US-Präsidenten. “Jeder ist sich selbst der Nächste” ist nie sein gesellschaftliches Credo gewesen. Schon bei Goldman Sachs ließ er Studien anfertigen, wie Bewohnern in innerstädtischen Armutsgebieten geholfen werden könnte.

Die große Überraschung war es daher nicht, als Rubin 1995 Finanzminister unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton wurde. Eher schon, mit welcher Entschlossenheit er dem Haushaltsdefizit jener Zeit begegnete. Binnen drei Jahren sank das Defizit von 330 Mrd. $ auf 116 Mrd. $. Vor allem deshalb galt Rubin neben dem damaligen Notenbankchef Alan Greenspan als Architekt des Wirtschaftsbooms in den 90er-Jahren.

Bei der Citigroup hat sich Rubin längst nicht nur Freunde gemacht. “Was tut der eigentlich in der Krise?”, fragte ein New Yorker Vermögensverwalter erst vor zwei Wochen. Zu diesem Zeitpunkt tat sich Rubin vor allem als Verteidiger des schon lange in der Kritik stehenden engen Vertrauten Charles Prince hervor: “Ich wette 100 $ darauf, dass er noch in fünf Jahren CEO ist.” Diese Wette hat der sonst so erfolgreiche Rubin glatt verloren. Gewonnen hat er dagegen in Sachen Bezahlung. Für den Sitz im Verwaltungsrat erhält er 15 Mio. $, ungleich mehr, als ein US-Finanzminister verdient.

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